Kollektives Planen

Architektur als Politikum

Eine Kritik zum Vorhaben im Tramdepot und ein Vorschlag für eine nachhaltige Lösung für das Quartier und seine Bewohner

Unsere Initiative ist eine Architekturkritik, eine kollektive Praxis und ein Instrument in der Bekämpfung neoliberaler Städtebau-Agenden.
Was die geplante Architektur am meisten mit dem Neoliberalismus teilt, ist eine Vorstellung von der Natur des menschlichen Subjekts, seiner Beziehung zu seiner Umwelt und wie es zu regieren ist, damit es dem Zins nachrennt, funktioniert und nicht denkt. Von den Endpreisen reden wir schon überhaupt nicht.
Dieses gemeinsame Verständnis von Subjektivität hat der Architektur die Möglichkeit gegeben, für die weitere Ausdehnung des Neoliberalismus in die Bereiche Wohnen, Arbeit, Bildung, Kultur und Konsum zu entwerfen und zu bauen.

Wir wollen die Stadt als Landbesitzer, so sind wir Mitbesitzer!
Und wir wollen am Beispiel des Kooperationsmodels im Murifeld die Entwickelung des Areals in einer kollektiven Planung mitbestimmen, damit wirklich bezahlbarer Wohn-, Arbeits- und Kulturraum entsteht.

Wir wollen neue pädagogische Wege in der Architektur, die Plan- und Baupraxis als Mechanismus sozialer Verwicklung sehen und als Katalysator für neue Formen des sozialen Engagements dienen.

Der neoliberale Architekturprozess schliesst normalerweise jeden, ausser Experten, aus. Eine natürliche Beseitigung von Kriterien, die nicht in direktem Zusammenhang mit architektonischem Diskurs, Architektur und den Investoren stehen.

Ein rein von Architekten und Spezialisten geführter kollektiver Planungsprozess, würde andere Personen ausschliessen und entfremden, die nicht die Sprache und die spezifischen Erfahrungen der Projektverantwortlichen teilen. Ein gemischtes Projektleitungs-Team ist ein Muss und eine Bereicherung.

Im Rahmen einer Kollektiven Planung müssen wir darüber nachdenken, welche sozialen Engagements dazu führen können, dass die Einzelnen ihre eigenen Positionen für das Gemeinwohl neu bewerten.
Wenn das Engagement in Gemeinschaften, in denen bestimmte politische Haltungen, Analysen und Aktionen im Kollektiv bewertet werden, so denkt man irrtümlicherweise häufig, dass das politisiert.
Wir möchten hinzufügen, dass „politische Analyse und Massnahmen“ subtil in die sozio-kulturellen Alltagspraktiken integriert werden können.

Im unserem Fall, ist eine Möglichkeit und eine Chance, dass die kreative und experimentelle Haltung innerhalb dieses Konzepts, der „Kollektiven Planung“, eine neue Vision vorantreiben könnte, was die problematische Beziehung zwischen einer neoliberalen Architektur und dem Leben selbst betrifft.

Die Macht des kollektiven Planungsprozesses und des daraus folgenden Entwurfs, liegt darin, die geringere Mittel der Stadt, effizienter und nachhaltiger zu Nutzen. Wobei es nicht um Geld geht, sondern um Koordination, Wissenschaft und Solidarität.

Sei es die Macht des Selbstbauens, die Macht des gesunden Menschenverstandes, des “common space” so wie die Macht der Natur, all diese Kräfte müssen in eine Form übertragen werden, und was diese Form modelliert und formt, ist nicht Zement, Ziegel, Holz oder Metall. Es Ist das Leben selbst!
Die Macht des kollektiven Planens und dessen Entwurf, als auch der Prozess, ist ein Versuch in den innersten Kern der Architektur, die Kraft des Lebens zu platzieren und nicht die der Rendite!
In einer kollektiveren Planung im Quartier / Areal, (Benutzer, Bewohner) geht es nicht drum die richtige Antwort zu finden. Es geht hauptsächlich daran zu erkennen was die richtige Frage ist.
Es ist sehr schlimm und frustrierend die Falsche Frage richtig zu beantworten. So wie es in der letzten Abstimmung übers Tramdepot der Fall war. Die Stimmbürger haben „richtig“ gestimmt. Sie sagten Ja, zu günstigem Wohnraum… Das Resultat haben wir gesehen.

Darum Ja zu wirklich günstigem Wohn-, Arbeits- und Kulturraum (GüWR) durch nachhaltige kollektive Planung auf städtischem Boden.
Ein Pfeiler ist des Kooperationsmodell Murifeld, dass seit 30 Jahren funktioniert und sich als sehr nachhaltig erwiesen hat. Solidarität und Wissenschaft ist ein kreativer und sozialer Prozess, aus dem Leben entstehen kann.

Dimitri Panayotopoulos
urban★react